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Matthes exmatrikuliert – für ein Semester.

Der Exmatrikulationsausschuss der Uni Mainz hat entschieden, Nazi-Kader Mario Matthes zu exmatrikulieren.

Die Exmatrikulation wird zum Ende des Wintersemesters wirksam und verhindert, dass Matthes sich in den nächsten 6 Monaten wieder an der Uni einschreibt; die Uni hätte Matthes die Neueinschreibung für bis zu zwei Jahre untersagen können. Gegen die Entscheidung kann Matthes gerichtlich vorgehen. Diese Entscheidung ist als symbolischer Akt zunächst begrüßenswert, immerhin hat sich die Uni nach langem Hin und Her endlich zu einer Sanktion durchgerungen. Aber sie ist eben auch nicht mehr als symbolisch. In der Zwischenzeit kann sich Matthes z.B. seiner Parteiarbeit widmen, seine Magister-Arbeit vorbereiten oder nach Ostpreußen in Urlaub fahren. Mit einer Hinderung an seinem Studium hat das nichts zu tun.

Als Begründung für die Exmatrikulation nannte die Uni-Leitung u.a. die angebliche Weltoffenheit der Gutenberg-Uni. Dass Unis quasi naturwüchsig Horte des Kosmopolitismus seien, ist eine Legende, die auch durch ihre dauernde Wiederholung nicht wahrer wird. Auch unter ganz normalen Studierenden und  dem Hochschulpersonal finden sich Antisemitismus und Rassismus, und selbst harter Neonazismus wird an der Uni nicht dadurch verschwinden, dass ein Nazi-Kader wie Matthes geht. Das zeigt schon allein die Anwesenheit von Matthes' "Kamerad" Sascha Söder ("Können wir nicht alle Juden human erschießen?" ) an der Mainzer Uni. Gegen Söder hat Unipräsident Krausch wegen seines Statements aber immerhin Strafanzeige wegen Volksverhetzung gestellt.

So begrüßenswert die Exmatrikulation als symbolischer AKt auch ist, so sehr trägt sie auch – gerade in der Kontrastierung von bösen Nazis und weltoffener Uni – Züge einer rituellen Reinigung. Die gesellschaftlichen Hintergründe anti-emanzipatorischer Ideologien und Einstellungen will die Uni-Leitung nicht begreifen. Die Hochschulgruppe kritische linke hat zu diesem Thema einen sehr instruktiven Text  verfasst. Zwar stellt sich die Uni-Leitung in einer im Senat verabschiedeten Resoultion gegen Antisemitismus, Rassismus, Sexismus und Homophobie (wobei der Hintergrund dieser Resolution, die Duldung einer Infoveranstaltung der rechten Burschenschaft Germania Halle auf dem Campus, erstaunlicherweise keine Erwähnung findet). Fehlen darf aber auch in dieser Erklärung nicht die Abgrenzung gegen "jegliche extremistische Bestrebungen". Mit dem Extremismus-Begriff werden hier gleich auch alle emanzipatorischen Ideen und Aktivitäten, die gemeinhin unter dem Begriff des "Linskextremismus" rubriziert werden, mit erledigt und damit der Neonazismus relativiert. Zum Extremismus-Begriff siehe die Seite der Leipziger Initiative gegen jeden Extremismusbegriff .
 
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